Die CLOUD im Theater.

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Das ist ein Stück zur Digitalisierung! Und was für eines!

Das Torturmtheater zu Sommerhausen.

Theater ist ein wichtiges Bestandteil meines Lebens. Ich brauche es förmlich. Es muss nicht pseudo-modern sein. Mich begeistert auch kein pompöses Gesamtkunstwerk mit technisch aufwändigen Audio- und Video-Produktionen. Mir ist ehrliches Theater am liebsten. Gern bin ich nah dran an Bühne und den Schauspielern. Wenn diese „gute Handwerker“ sind, die ihre Rollen verstehen und mit Leidenschaft spielen, dann ist das für mich etwas Großartiges. Besonders wenn das Stück dann auch noch etwas taugt. Zurzeit habe ich drei Lieblingsbühnen. In München sind dies das Volkstheater und das Metropol. Ganz besonders liebe ich aber das Torturmtheater in Sommerhausen, unweit von Würzburg. Im Torturmtheater fängt das Besondere schon bei den Stücken an. Jedes Jahr wählt Angelika Relin, die das Theater leitet und da für irgendwie alles zuständig und verantwortlich ist, vier zeitgenössische Stücke aus. Diese zeichnet aus, dass sie Themen mit herausragender Aktualität behandeln und sich wunderbar ergänzen. Im Jahre 2019 ist das schon mit den ersten drei Stücken wieder hervorragend gelungen. Zum Frühling gab es:


Bilder einer großen Liebe von Wolfgang Herrndorf.

Bilder Deiner großen Liebe.

Das war ein großartiges Ein-Personen-Stück. Ich habe in  einem Artikel von meinem Besuch berichtet. Das Mädchen Isa, gespielt von Isabel Kott, berichtet sein Leben – wie ein aus dem Himmel gestürzter Engel. Isa ist ein aus dem Erziehungs-Heim ausgerissenes Mädchen, dass ohne Geld und Ziel durchs Leben streicht und wahrscheinlich auch stricht.  Isa weiß, dass sie offizielle geisteskrank ist. Nur, alles was sie erzählt kommt dem Zuschauer vernünftiger vor als das meiste von dem, was er täglich erlebt. Im Erfolgsroman TSCHICK des Autors des Stückes hat das Mädchen Isa nur eine Nebenrolle, im Stück erzählt sie ihr Leben. Das war ein großartiget Theaterabend in 2019, den uns das Torturmtheater, Angelika Relin, Eos Schopohl (Regie) und Isabel Kott und das ganze Team uns beschert haben. Das war der aber nur erste Streich! Weiter ging es im beginnenden Sommer mit


Lieben. feministisch Von Samantha Ellis

Lieben – feministisch.

Das war wieder der nächste Volltreffer. Ein Knaller, der absolut in unsere #metoo-Zeit passt. Lieben feministisch berichtet von einem Paar. Die Frau steht eigentlich auf geile Machos. Dummerweise liebt sie einen Mann, der von seiner Mutter zum überzeugten „Feministen“ erzogen wurde. Dieser liebt sie, will sie respektieren und achten, obwohl das sogar nicht das ihre ist? Kann das gut gehen? Eigentlich nicht. Aber das Stück gibt eine schöne Antwort. Von Angelika Relin spitzenhaft gefunden und ausgesucht Stück, das wir dank Amelie Heller und Christian Streit (die Schauspieler) und Ercan Karacayli (Regie) genießen durften. Und jetzt am 8. August hieß es „Vorhang auf“ für


Die Mitwisser von Philipp Löhle.

Die Mitwisser.

Ich durfte bei der Premiere dabei sein. In diesem Stück geht es um unser Leben in und mit der CLOUD. Es geht um den gesellschaftlichen Wandel, den die Digitalisierung bewirkt. Das ist mein Thema – arbeite und wirke ich doch schon seit 50 Jahren intensiv an der Digitalisierung  mit. So suche ich nach der Metapher, die am besten für das steht, was die Digitalisierung individuell und sozial/gesellschaftlich bewirkt. Ist es das Internet, das Netz oder das WebIrgendwas mit 2.0, 3.0, 4.0 oder die Cloud? Und habe mich für den Begriff der „CLOUD“ entschieden. Der trifft es am besten. Finde ich. „Die Mitwisser“ zeigt die Welt in der CLOUD. Die liegt noch in der Zukunft liegt aber ist auch schon da. Und alle – ob Politiker oder Wirtschaftsbosse wollen und fordern Digitalisierung, obwohl sie oft gar nicht wissen, was das ist. Im Stück zeigt wie unsere Welt in der CLOUD ausschaut, wenn sie den Algorithmen und neuronalen Netzen folgt. Dies mit großer künstlerischer Offenheit und einem klugen Maß an Kritik, aber auch in versöhnlicher Zuversicht. Regie (Ercan Karacayli) und das Schauspieler-Team (Norbert Ortner, Anna Bomhard, Martin Herse, Malene Becker) haben das Stück von Philipp Löhle herausragend umgesetzt und zeigen, dass sie das Thema verstanden haben. Und nehmen die Zuschauer mit in eine Reise in die „CLOUD“. Wie viele  Veranstaltungen mit mehr „oder weniger“ hochkarätigen ReferentInnen habe ich besucht! Da ging es um Digitalisierung allgemein, um die Folgen von social Media wie Blockchain und Bitcoin, Allgortithmen KI und neuronale Netze. Und wie oft bin ich enttäuscht heimgekommen. Was da alles oft erzählt wurde, hatte mit der Realität aber auch gar nichts zu tun. Und ehrlich gesagt, meistens hatten die Referenten keine Ahnung von dem über das sie redeten. Meistens bestätigte sich die These meines Lehrers Rupert Lay, dass wir im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes leben. Ich garantiere, dass dieses harmlose Theaterstück so viel mehr Substanz enthält als all die schrecklichen Vorträge (von Akademika, Wirtschaft und Politik), die ich gehört habe. Und es kommt noch besser. Die Zuschauer des Stücks hatten unheimlich viel Spaß und sind alle mit großer Freude und Hochgefühl heimgehen. Aber vorher gab es im edlen Foyer des Torturmtheaters einen intensiven Gedankenaustausch gepaart mit einer gesunden Portion an Nachdenklichkeit. Wahrscheinlich sollte man unsere ganzen Politiker, die sich täglich zur Digitalisierung bekennen und darüber schwafeln, ganz schnell ins Stücke reinschicken. Das wären dann mal gut angelegte Steuermittel. Aber wie bekomme ich die bayerische Staatsregierung ins Torturmtheater? Wahrscheinlich schafft man es nicht einmal, die Judith Gerlach vom Bayerischem Staatsministerium für Digitales  ins Theater zu locken, weil sie etwas wichtiges Juristisches für die DSGVO oder das Urheberrecht im Internet lösen muss. Und für sie und ihre Mitarbeiter im Ministerium wäre der Besuch besonders nützlich und wertvoll.

Und am 10. Oktober ist die Premiere des vierten und letzten Stückes in 2019.


ALLES WAS SIE WOLLEN

von Matthieu Delaporte / Alexandre de la Patellèrie.

Ich bin schon gespannt!

Und bis dahin empfehle ich jedem, der an unserer Zukunft und Digitalisierung interessiert ist, den Besuch des aktuellen Stückes, das bis zum 5. Oktober im Torturmtheater gespielt wird. RMD P.S. Hier der Spielplan 2019 des Torturmtheaters Sommerhausen.

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